(M)Einer von 80Millionen...

Als ich meinen Mann kennengelernt habe, war er 28 und ich 24 und wenn ich die beiden Zahlen lese, kommt es mir vor, als wäre es in einem anderen Leben gewesen. Ich wollte damals gar keinen Mann kennenlernen, denn ich war noch dabei alte Wunden zu lecken und doch tauchte er plötzlich auf...

Kategorisiert man das Äußere meines Mannes in eine Schublade, so war meine Schublade für ihn damals die eines Türstehers  - muskelbepackt, tätowiert und on top auch noch eine Glatze. Nein, darauf hatte ich weiß Gott keine Lust und das sagte ich ihm auch direkt, nun gut vielleicht nicht ganz so direkt, aber ich ließ es ihn durch Ignoranz spüren. Zum Glück beeindruckte ihn mein Verhalten nicht im Geringsten, so dass er es einfach weiter versuchte. Wenn ich meine Geschichte von uns erzähle, kommt an dieser Stelle immer der Punkt, an dem ich sage, dass er mich irgendwann an einem guten Tag erwischte und da ich nichts besseres zu tun hatte, mich auf ein Date mit ihm einließ (er meint dann immer, dass das Blödsinn sei und ich ab dem ersten Moment schockverliebt gewesen wäre *lach*).

Also holte er mich ab, aus meiner kleinen Studentenbude, so groß wie ein Schuhkarton. Er wartete unten, stand dabei angelehnt an seinen dunkelblauen BMW mit nichts geringerem als mit einem Bundeswehr T-Shirt bekleidet - 'Oh mein Gott, wie klischeehaft!' dachte ich nur. Und als würde das nicht reichen, war sein Fenster runtergekurbelt, sein Arm beim Fahren darauf gelegt und als 'romantische' Hintergrundmusik dudelte Sepultura aus seinen CD-Player. Wenn ich daran denke, muss ich immer noch schmunzeln, so ist mein Mann nämlich, er muss nicht beeindrucken oder sich verstellen. Entweder man mag ihn oder eben nicht, eine Eigenschaft die ich sehr an ihm schätze und von der ich gerne ab und an ein wenig abhaben möchte...

Nicht das ich mich an diesem Abend in ihn verliebt hätte und doch legte er den Grundstein, denn noch nie, bei keinem anderen Mann zuvor, hatte ich mich so dermaßen frei gefühlt. Ich konnte sein wie ich bin, musste keine Maske auflegen, es fühlte sich einfach gut an in seiner Nähe zu sein. Ich könnte jetzt sagen, wir haben bis in die Morgenstunden zusammen gesessen und gequatscht und gelacht, aber auch das ist nicht der Fall. Ich weiß nicht mehr wie lange wir zusammen saßen, aber irgendwann war der Abend vorbei und er brachte mich wieder nach Hause. Das war unser erstes Date, unkompliziert und mit einem Gefühl der Vertrautheit.

Verliebt habe ich mich ein paar Wochen nach unserem ersten Date. Mein Schuhkarton musste geräumt werden, um einer größeren Wohnung in Berlin zu weichen. Für ihn stand es außer Frage mir zu helfen. Von morgens bis abends fuhren wir zwischen den zwei Wohnungen hin und her und am Ende des Tages beschlossen wir ganz spontan in seine Heimat zu fahren - an die Ostsee. Ich muss gestehen, dass ich im Laufe des Tages noch Schweißperlen auf der Stirn hatte, da ich Angst davor hatte nun gefangen zu sein und nicht mehr Goodbye sagen zu können, schließlich hatte er mir beim Umzug geholfen und da kann man ja schlecht einen Tag später sagen 'Du, das aus uns wird nichts!'.

Die Fahrt nach Eckerförde dauerte 4 Stunden und wir kamen kurz vor Mitternacht an. Wer einmal in Eckerförde gewesen ist weiß, dass dies ein so wunderschöner Fleck Erde ist. Vielleicht war es diese romantische Nacht, in der wir unterm Sternenhimmel ins Meer gesprungen sind, vielleicht waren es seine Freunde die mich so herzlich aufnahmen, ich weiß es nicht, aber es war die Nacht, in der mein Herz anfing für ihn zu schlagen, ganz zaghaft, aber ich merkte das er mir nicht so egal ist, wie ich es am Tag noch gedacht hatte.

Die Nacht verbrachten wir bei seinen Eltern, die bereits schliefen als wir ankamen. Er auf der Couch, ich in seinem alten Kinderzimmer. Am Morgen darauf lernte ich seine Mama und seine Oma kennen, das einzige und letzte Mal das ich seine Oma gesehen habe, sie starb kurz darauf. Das für mich besondere daran war, dass es an dem Morgen so schien, als würde sie uns ihren Seegen geben. Das klingt vielleicht total bescheuert, schließlich waren wir ja noch gar nicht richtig zusammen, aber ich und sogar mein Mann, sind uns sicher, dass seine Oma mich vom Fleck weg ins Herz geschlossen hat, dass löst noch heute Gänsehaut bei mir aus...

Ab da ging alles unglaublich schnell. 3 Monate später zog mein Mann zu mir in meine 1-Zimmer Wohnung, 8 Monate später war ich schwanger, 17 Monate später hielten wir unseren Sohn in den Armen, 19 Monate später zogen wir von Berlin nach Bremen und 2 1/2 Jahre nach unserem Kennenlernen gaben wir uns das Ja-Wort. Dies ist der Punkt, an dem ein Film zu Ende ist und alle bis an ihr Lebensende glücklich und zufrieden zusammen leben, keiner sagt einem was danach passiert, was es bedeutet so lange zusammen zu sein, 4 Umzüge, 2 Kinder, ein Hausbau, viel Alltag.

Ich würde gerne sagen, dass die Jahre uns nichts anhaben lassen konnten, aber das stimmt nicht. Gerade als die Kinder noch klein waren lagen die Nerven oft blank und es gab Momente in denen wir uns gefragt haben, wie wir das alles packen sollen. Die Kinder wurden größer, wir bauten ein Haus und auch an dieser Stelle möchte man meinen, so jetzt haben sie alles überstanden, haben so viel zusammen erreicht, die zwei kann nichts mehr auseinander bringen, doch auch das stimmt nicht.

Letztes Jahr kam der große Knall, ein Knall der mich bis ins Mark erschütterte und mich gleichzeitig so dermaßen wachgerüttelt hat, wie es ein leichtes Beben nicht hinbekommen hätte. Es folgte die Trennung, Tränen flossen und die Welt schien still zu stehen. Wut, Verzweiflung, Angst, Trauer, ein Wechselbad der Gefühle. Da ich nicht auf das Warum eingehen möchte, sei nur so viel gesagt, es gab den Moment in dem alles vollkommen verloren zu sein schien und genau in diesem Moment kam ein Lichtblick, fast kaum zu sehen, doch er war da. Wir haben ihn gegriffen, fast schon daran gezogen, als würden wir wissen, wenn wir jetzt loslassen, dann gibt es keine Zukunft mehr, kein Sven und Melanie, und gleichzeitig spürten wir, wenn wir nur fest genug daran festhalten würden, gemeinsam, dann können wir es schaffen...

1 Jahr später feiern wir heute unseren 10.Hochzeitstag. Ja, wir haben es geschafft und aus dem kleinen Licht ist ein ganzes Feuer entstanden. Wir halten fest, aneinander, an der wieder auferlegten Liebe, wissen was wir aneinander haben, arbeiten jeden Tag daran und empfinden heute, 10 Jahre nachdem wir uns das Ja-Wort gegeben haben, mehr denn je füreinander. Rückblickend glaube ich, dass wir damals kaum Zeit hatten, Zeit uns kennenzulernen, Zeit um gemeinsame Reisen zu machen, Zeit zu zweit. Alles ging so schnell und es gab so gut wie nie einen Leerlauf und als dieser nach dem Hausbau dann kam, die Kinder aus dem gröbsten raus, da wussten wir nicht mehr wer WIR eigentlich sind, was uns als Paar ausmacht. Jeder ging seinen Weg und um so weiter wir zogen, desto weiter entfernten wir uns. Ich habe bis zu dem Zeitpunkt immer geglaubt, dass mein Mann mich nie verlassen würde, niemals und als er es tat, brach für mich eine Welt zusammen. Erst da begriff ich, was ich an ihm hatte und das ich ihn über die Jahre als viel zu selbstverständlich genommen habe, wir uns gar keine Mühe mehr gegeben haben etwas mit- und füreinander zu machen. Schade, dass einem solche Dinge immer erst klar werden, wenn es (fast) zu spät ist.

Heute weiß ich, dass Ehe bedeutet den anderen immer ernst zu nehmen, dass man seinen Partner nie als selbstverständlich nehmen darf, dass jeder seine Freiheiten braucht und man immer, jeden Tag auf´s Neue, an sich und dem WIR arbeiten muss. Ich kann ganz klar sagen, dass ich meinen Mann heute noch mehr liebe als ich es damals getan habe, er komplettiert mich, er ist mein zu Hause, er ist alles was ich mir jemals gewünscht habe, mein Fels in der Brandung, mein bester Freund, der Papa meiner Kinder, die Liebe meines Lebens und ich weiß, diesen Menschen gebe ich nie mehr her, heute nicht und auch nicht in 10 Jahren...


Kommentare:

  1. Hach Melanie, beim Lesen des Textes musste ich einfach lächeln. Der Text ist einfach wundervoll!
    Von den Anfangsphasen des Kennenlernens meines Freundes und mir könnte ich auch ein Lied singen - nur so viel, es war ähnlich klischeehaft *lach*

    Ich wünsche euch beiden noch weitere 10, ach nein, 100 Jahre voller Liebe, Glück, Respekt und Miteinander <3

    LG Manuela
    Blush & Sugar

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    1. Es war aber auch zu herrlich und hätte man mir damals gesagt, das ist dein zukünftiger Mann und Papa deiner Kinder, ich hätte gelacht ;)
      Dankeschön Manuela <3

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  2. Guten Morgen Melanie. Du kannst mir doch morgens nicht so etwas zu lesen geben. Ich musste ein paar Tränchen verdrücken. Hach, ich finde es so schön, dass es noch solche "Ehen" gibt!

    Ich wünsche Euch noch viele weitere gemeinsame Jahre!

    Liebe Grüße
    Silvia

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    1. Ja, es gibt sie noch - zum Glück! Gefühlt geben heutzutage viel zu viele zu schnell auf, aber das ist vielleicht auch etwas was mit dem Gefühl zu tun hat, also wie sehr man seinen Partner liebt und ich liebe meinen Mann über alles <3

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  3. Eine wunderschöne und ehrliche Geschichte ;-) Ich freue mich sehr für Euch! Toll, dass es sowas heute noch gibt. Die meisten Menschen neigen leider dazu, viel zu schnell aufzugeben! Ich werde Deine Worte beherzigen!
    Alles alles Liebe zum Hochzeitstag!

    Liebe Grüße
    Kathrin

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    1. Ja leider... für mich stand es außer Frage, ich wusste wohin mein Herz gehört und habe nicht davon ab gelassen <3

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  4. wie schön, dass ihr zwei wegen euch wieder zueinander gefunden habt! zumindest liest es sich für micht nicht so wie ein 'zusammenraufen der kinder wegen'.
    wir sind gespannt auf deinen look zur goldenen hochzeit :-)

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    1. Oh nein, definitiv nicht! Es ist Liebe, ganz tiefe Liebe <3
      Haha, das dauert ja noch ein Weilchen und bis dahin gibt´s noch etliche andere Looks *lach*

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  5. Liebe Melanie, wahre und echte Liebe kann nichts erschüttern - dazwischen kann sich etwas abspielen, was die Beziehung hinterfragt, aber, wenn die Gefühle groß genug sind, geht es weiter und das macht letztlich eine Beziehung, die auf einem sehr festen Zement steht aus. Nach dem, was Du hier geschrieben hast, habe ich keine Zweifel daran, dass Ihr, trotz Hürden und Schwierigkeiten und eben auch einer Trennung, alles überwunden habt, was einem so quergestellt werden kann, sei es durch äußere oder gar eigene Einflüsse. Vor wenigen Tagen hatten mein Partner und ich auch Jubiläum: 32 Jahre, auch eine schier endlose Zeit. Heutzutage jemanden zu finden, wo man genauso sein kann, wie man ist, sich nicht verstellen muss, seine Schwächen und Stärken zeigen darf, das ist alles nicht so selbstverständlich, wie ich oft bei anderen Paaren mitbekomme. Umso dankbarer ist man für das, was man selbst an und in jemandem gefunden hat und diese Dankbarkeit lese ich in jeder Zeile Eurer Geschichte. Danke, dass wir daran teilhaben dürfen und übrigens, Dein Mann sieht richtig sympathisch aus - Du ja sowieso! Ganz liebe Grüße, auf dass noch viele, viele, vieleeeeeeeeeeeee Jahre folgen werden <3

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    1. Deine Worte berühren mich sehr und ich kann nur sagen herzlichen Glückwunsch zum 32.! Das ist tatsächlich eine so wahnsinnig lange Zeit, wie man sie heutzutage nur noch selten hört. Meine Eltern sind auch seit 37 Jahren verheiratet und haben viele Höhen und Tiefen durchlebt und sind heute so sehr verliebt in einander und haben einen Umgang miteinander, wie ich es mir für die Zukunft mit meinem Schatz wirklich wünsche... Eine Garantie gibt es nie, aber man kann an sich und der Partnerschaft arbeiten und wenn man das tut und damit dieses Gefühl füreinander festigt, kann man sehr viel zusammen meistern <3

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  6. so eine schöne Geschichte und wirklich sehr gut geschrieben! danke, dass du das so toll mit uns geteilt hast! <3
    liebe grüße, Maya

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  7. Ihr seid so ein sympathischen süsses Paar und du hast wunderschöne Worte gefunden.....Ich wünsche euch noch viele, viele weitere gemeinsame Jahre....

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  8. Meine Güte, Melanie, kannst Du bitte Liebesromane schreiben? Ich schmelze dahin und musste mir tatsächlich ein Tränchen verdrücken. In vielen Punkten habe ich uns wieder entdeckt. Schwanger nach 13 Monaten, verheiratet nach 21 Monaten, gleichzeitig berufliche Prüfung und zusammenziehen. Ungefähr nach 9 Jahren der Knall und gerade noch die Kurve gekriegt. Jetzt seit 18 Jahren gemeinsam. Jeden Tag muss ich mich ermahnen zu akzeptieren und nicht nur akzeptiert zu werden, Freiraum zu lassen und nicht nur zu fordern. Es bleibt Arbeit, aber sie lohnt sich.

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Hallo, schön das du auf meinen Blog gefunden hast!
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Eure
Melanie